Broschüre: Tipps für ein Auslandssemester
Veith Lemmen Mittwoch, 24. September 2008 um 15:54 Uhr
Es gibt diese eine Szene in dem Film Le Auberge Espanol. Da kommt der Hauptdarsteller, Xavier, zum ersten Mal nach Barcelona, die Stadt in der er sein Auslandsjahr verbringt. Alles ist fremd und neu für ihn. Doch bald findet er ein Zimmer in einer multinationalen Wohngemeinschaft, die Liebe und vor allem sehr gute Freunde.
Schon in solchen Situationen merkt man, dass der Film 2002 und damit vor der allgemeinen Umstellung auf Bachelor und Master gedreht wurde. Zwar ist Auslandserfahrung heutzutage wichtiger denn je und deswegen ist es das Ziel der Bologna – Erklärung und des Folgeprozesses die Mobilität zu fördern, doch noch nie war es so schwer, Auslandserfahrung und Studium unter einen Hut zu bekommen. Aus einer Befragung des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes, die am 10. Mai 2007 vorgestellt wurde, geht hervor, dass 26 Prozent aller Studierenden ein Auslandssemester planen. Doch nur 15 Prozent der Bachelor Studierenden gehen tatsächlich ins Ausland. Die Erhöhung der Mobilität durch die Umstellung der Studiengänge existiert also nicht, im Gegenteil. Vielmehr wird die Mobilität durch die starren Strukturen und die Modularisierung stark eingeschränkt. Damit es aber vielen von euch trotz Bachelor – Studiengangs gelingt, doch noch die fantastische und prägende Erfahrung eines Auslandaufenthaltes mitzunehmen, hier ein paar Tipps, die euch helfen können diesen Traum in die Tat umzusetzen:
Wo bekomme ich Informationen?Das allerwichtigste ist sich frühzeitig, am besten schon im ersten Semester, Gedanken zu machen: Kann ich mir denn generell einen Auslandsaufenthalt vorstellen? Habt ihr diese Frage mit Ja beantwortet und auch schon eine grobe Vorstellung wo es hingehen soll, dann ist es an der Zeit zu schauen, was an der Universiät Münster möglich ist.
Dabei lohnt es sich auf jeden Fall einmal einen kurzen Blick auf das International Office der Uni zu werfen. Die können einen guten Überblick über die verschiedenen Programme geben, von denen es neben Erasmus noch einige andere gibt. Dazu bekommt ihr dort auch noch Hilfestellungen bei generellen Fragen. Eine Sprechstunde zum Thema Auslandsaufenthalt bietet das Office jeweils Montags bis Donnerstags von 9 bis 12 Uhr an.
Euer Fachbereich bietet garantiert auch eine Sprechstunde zu dem Thema Auslandsaufenthalt an. Informiert euch dort genauer über die Kooperationen, die die Universität besitzt. Wie viele Plätze gibt es? Was muss ich erfüllen, um genommen zu werden? Wann ist Bewerbungsschluß? Wie sieht das Auswahlverfahren aus? Das sind alles Fragen, die dort beantwortet werden können.
Welche Vorlesungen oder Seminare kann ich vorziehen?
Ich habe vorhin geschrieben, dass sich jeder möglichst früh, wenn möglich sogar im ersten Semester, Gedanken machen soll, ob und wann er ins Ausland will. Viele von euch sind da sicherlich gerade mit etwas anderem beschäftigt: Ankommen, Fahrrad besorgen, die Stadt erkunden. und haben keine Zeit oder Lust sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. Dennoch nehmt euch ruhig die Zeit und überlegt in Ruhe, wie ihr den Auslandsaufenthalt mit eurer Studienordnung vereinbaren könnt und wollt. Denn hier kommen wir zu dem größten Problem, dass durch die Bachelor - Umstellung und die damit einhergehende Modularisierung entstanden ist: Die meisten Module laufen über zwei Semester, das heißt ihr könnt nicht einfach so irgendwann mal weg, wenn ihr nicht Studienzeitverlängerungen in Kauf nehmen wollt.
Wollt ihr dies vermeiden, ist es am besten ist es sich frühzeitig mit der Prüfungsordnung, den Studienberatern und dem Prüfungsamt auseinander zu setzen. Versucht heraus zu bekommen, welche Veranstaltungen möglicherweise vorgezogen werden können und stimmt das dann mit dem Prüfungsamt ab. Dabei kann es passieren, dass ihr recht häufig dort vorbei schauen müsst. Auch wenn die MitarbeiterInnen dort vielleicht etwas genervt oder unkooperativ sind. Lasst euch nicht abschrecken! Es ist die Aufgabe der MitarbeiterInnen euch zu helfen.
Oftmals sagen sie euch vermutlich, dass ihr die Veranstaltung X nicht vorziehen könnt, weil ihr die Veranstaltung Y noch nicht gehört habt. Lasst euch auch davon nicht abschrecken und versucht euch ein eigenes Bild zu machen. Ruhig in die Veranstaltung einfach mal rein setzen und sehen, ob man mitkommt. In den meisten Fällen klappt das auch! Und falls nicht: Einfach die nächste ausprobieren, irgendwann ist es sicherlich möglich Scheine vorzuziehen
Wie bekomme ich einen Platz an einer ausländischen Uni?
Ok, ihr habt eure Traumuni gefunden und in eurem Studienverlaufsplan extra ein Semester freigeräumt. Fehlt nur noch eine erfolgreiche Bewerbung und schon kann es los gehen. Dabei gilt es zu beachten, dass ihr eure Beweggründe möglichst offen und gut darlegt. Die Frage , warum gerade dieses Land beziehungsweise warum gerade diese Universität sollte dabei auf jeden Fall beantwortet werden. Helfen kann, wenn man sich schon genauer mit der Traumuniversität im Ausland beschäftigt hat und sogar Angaben zu den Lehrveranstaltungen dort machen kann. Die dortigen Ansprechpartner sind meistens sehr aufgeschlossen und freundlich. Scheut euch also nicht bei irgendwelchen Unklarheiten dort nachzufragen.
Werdet ihr von der Uni nicht angenommen, wollt aber unbedingt ins Ausland, weil Münster im Winter immer nass und kalt ist, dann gibt es zwei weitere Möglichkeiten. Ihr könnt erstens schauen, ob es Restplätze gibt. Das sind freie Plätze, die bisher von keinem besetzt worden sind. Das bedeutet nicht, dass sie in irgendeiner Weise schlechter als die anderen sind. Dies ist auch eine Chance für Kurzentschlossene noch schnell auf den Zug in Richtung Ausland aufzuspringen.
Eine weitere Möglichkeit ist, es über eine andere Fakultät als eure zu versuchen. Natürlich ist es da um einiges schwerer für euch als „Fachfremder“ einen Platz zu ergattern. Doch unmöglich ist es nicht. Wer weiß, vielleicht wollt ihr gerade einen der Restplätze, die in dem Fachbereich übrig geblieben sind.
Wie finanziere ich meinen Auslandsaufenthalt?
Auch bei der Finanzierung gilt es, schon frühzeitig Ausschau zu halten nach möglichen Geldgebern. Gerade Stiftungen sind dafür prädestiniert. Neben den „herkömmlichen“ Stiftungen, wie Friedrich – Ebert oder Heinrich – Böll Stiftung gibt es noch genügend andere, die ein Reise- oder ein Teilzeitstipendien finanzieren. Einen Überblick über die unterschiedlichen Organisationen, die für euch in Frage kommen könnten, findet ihr unter: http://www.stiftungen.org/index.php?strg=87_124&baseID=129.
Wo lerne ich die Landessprache?
So, jetzt ist es geschafft: Ihr habt euren Studienplatz im Ausland. Eine Sache sollte da nicht in den Hintergrund rücken. Um sich verständigen zu können, ist es zwingend notwendig die Landessprache zumindest rudimentär zu beherrschen, selbst wenn die Vorlesungen auf Englisch sind. Dazu empfiehlt es sich einen Sprachkurs in dem Land, das ihr ausgewählt habt, zu belegen. Erneut gilt: Frühzeitig darum kümmen, denn die meisten dieser Kurse sind schnell ausgebucht.
Wie schaffe ich es, dass meine Leistungen anerkannt werden?
Nun steht eurem Auslandsaufenthalt nichts mehr im Wegen, doch für einige kann nach der Rückkehr schnell das böse Erwachen kommen, wenn das Prüfungsamt etwa die dort erbrachten Leistungen nicht anerkennt. Aber: Die Bundesrepublik Deutschland hat im Jahr 2007 die „Lisbon Convention“unterzeichnet. Diese verpflichtet die Prüfungsämter nachzuweisen, warum sie euch die Leistungen nicht anerkennen. Es ist nicht eure Aufgabe nachzuweisen, dass das Modul, welches ihr im Ausland belegt habt, den Ansprüchen in Münster entspricht. Vielmehr ist es Aufgabe des Prüfungsamtes das Gegenteil zu beweisen. Leider ist diese Regelung vielen, auch in den Prüfungsämtern, noch nicht bekannt. Deshalb behaart auf euer Recht und weist das Prüfungsamt oder den betreuenden Professor darauf hin. Den genauen Text findet ihr hier: http://conventions.coe.int/Treaty/Commun/QueVoulezVous.asp?NT=165&CL=ENG
Am Sichersten ist es jedoch, wenn ihr vor dem Auslandsaufenthalt ein „Learning Agreement“ zwischen euch, eurem Fachkoorinator und der Auslandsuni abschließt. Dabei vereinbart ihr euren Studienplan im Ausland, also welche Veranstaltungen ihr besucht und welche Scheine ihr dort machen wollt. Diese Vereinbarung wird von der Heimatuni, der Gastuni und euch unterschrieben und eine Anerkennung der Studienleistungen ist von vorneherein vereinbart. Damit die Leistungen anerkannt werden, braucht ihr dann noch das Transcript of Records um sie auch nachzuweisen. Weitere Informationen zu den „Learning Agreements“ findet ihr beim International Office unter: http://www.uni-muenster.de/ERASMUS/Forum/out_la.html
Falls ihr euch an die gerade aufgezählten Punkte in etwa haltet, besitzt ihr gute Chancen euren Traum von einem Auslandsaufenthalt – trotz Bachelor - in die Realität umzusetzen. Und wer weiß, vielleicht geht es euch ja wie Xavier und ihr habt die schönste Zeit eures Studiums und kehrt gestärkt und mit einem Kalender voller, internationalen Telefonnummern nach Deutschland zurück. Wenn ihr überhaupt noch Lust habt, zurück zu kommen.
Jörg Langbein







